DNA der Napoleon Bonapartes – die Suche

Die Suche nach der DNA der Bonapartes

Bei IGENEA in Zürich läuft seit längerem ein DNA-Projekt über alle Napoleon Bonapartes. Jedoch wird der Ring alleine nicht ausreichend sein, um dabei mitmachen zu können. Es braucht noch weitere zusätzliche Faktoren der Beweisführung.

Die Ehe von Hortense de Beauharnais und Louis Bonaparte, dem jüngeren Bruder von Napoleon I. verlief nicht sehr glücklich und sie trennten sich um 1810 – also 2 Jahre nach der Geburt Napoleon III. Es gab damals das Gerücht von der „holländischen Affäre„, dass Napoleon III. aus der Liaison von Hortense und dem holländischen Admiral Carel Hendrik Verhuell entstanden sein soll. Dies ist nach heutigen Kenntnissen der Geschichtsforschung anscheinend widerlegt. Der Vater von Napoleon III, Louis Bonaparte, erkannte seinen Sohn lange nicht an, erst viel später. Aber wer weiss, die Zukunft wird dieses Rätsel auf Basis der Gene in absehbarer Zeit lösen. Wenn ich allerdings Nase, Kinn und Augen von Louis Bonaparte mit den Bildern von Napoleon iii und Familienbildern aus unserem Zweig vergleiche, so sind dies doch sehr markante Merkmale der Übereinstimmung. Was noch – Entscheidendes meiner Ansicht nach – für die Vaterschaft von Louis Bonaparte spricht, ist folgender Umstand: Die Ehe von Louis und Hortense war zwar nicht die Glücklichste durch die extrem ausgeprägte Eifersucht von Louis wie auch die Abenteuerlust von Hortense. Es fanden jedoch immer wieder Versöhnungen statt. Betrachtet man jetzt den Todestag von Napoléon Charles Bonaparte, dem ersten gemeinsamen Sohn, welcher am 5. Mai 1807 im Alter von etwas über 4 Jahren in Den Haag starb, so hieß es, das Hortense und Louis sich bei diesem tragischen Ereignis wieder scheinbar versöhnt hätten. Napoleon III wurde am 20. April 1808 geboren. Rechnet man jetzt die 9 Monate zurück, so kommt man in etwa auf Anfang Juli 1807 – also 2 Monate nach dem Tod des Erstgeborenen. Erwartet wurde jedoch die Geburt von Napoleon III. am 12. Mai 1808 und nicht am 20. April. Er kam somit 3 Wochen zu früh.
Einst sagte Russlands Zar Alexander I. von Hortense de Beauharnais: „Von allen Bonapartes ist sie der einzige Mann!“…in doppelter Satire auf die Familie gemeint, da Hortense weder eine Bonaparte noch ein Mann war. Auch Joseph Beck (siehe Konradihaus) – privater Deutschlehrer des jungen Prinzen Louis – nannte die ehemalige Königin von Holland einst „die edelste der Napoleoniden“. Kreolin war sie, voll sinnlicher Leidenschaft, Lust an Heimlichkeiten, Abenteuern, selbst ins hohe Lebensalter hinein auf Arenenberg. Sie liebte, spann Ränke, sündigte, gehorchte nur dem Zwang ihrer Natur, geerbt von ihrer Mutter Joséphine de Beauharnais. Unter demselben Zwange standen ihre Söhne, Morny und Napoleon III. Selbst Eugenie sagte einst zu ihrem Mann Napoleon III.: „Du bist kein Bonaparte“, bezogen auf seine Erscheinung und Wesensmerkmale (siehe auch Äusserung von Queen Victoria 1855). Bleibt noch das alte Gerücht, Louis Bonaparte sei kein leibliches Kind von Carlo Maria di Buonaparte, vielmehr sollte seine Abstammung auf eine Liaison Letizias mit dem Militärgouverneur Korsikas Graf Marbeuf zurückgehen. Marbeuf war sehr eng befreundet mit der Familie Bonaparte und unterstützte diese finanziell und die Ausbildung der Kinder.  Erstaunlicherweise wurde er später fast totgeschwiegen. Als die Stadt Montpellier zwanzig Jahre nach seinem Tode ihm ein Denkmal setzen wollte, verbot es Napoléon, der damalige Erste Konsul, mit der Begründung, er sei schon zu lange tot. Sehr eigenartig. Ich verweise zudem auf den Artikel „Napoleon III. und I. – ihre Leiden und deren fatale Auswirkungen„, unterschiedlicher von Charakter und Psyche die Beiden nicht sein können. Eines sei vorab gesagt: Eines dieser beiden Gerüchte – über Letizia Bonaparte oder Hortense de Beauharnais – entspricht der Wahrheit und wurde damals sorgsam vertuscht. Das Problem ist, die Haplogruppe der Y-DNA kommt an Häufigkeit sowohl an der ligurischen Küste und auf Korsika vor – wie auch in Holland.

Eine interessante Diskussion über die Vaterschaft wird auf der englischen Wikipedia Seite geführt und es noch andere „Kandidaten“ für diese Möglichkeit gibt. Beispielsweise Élie, Herzog von Decazes und Glücksberg (und mein Favorit) oder Charles-Joseph de Flahaut.

Carel Hendrik graaf Ver Huell

Graaf Ver Huell

Louis Bonaparte

Louis Bonaparte

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Élie, Herzog von Decazes und Glücksberg – auch er ein „Kandidat“

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Charles-Joseph de Flahaut – Vater des Herzogs von Morny

(Bilderquelle: Wikipedia)

Napoleon 3 hatte noch einen Halbbruder, den er zum Herzog von Morny machte. Dieser wurde aber erst lange nach der Trennung im September 1811 geboren. Der Vater war General Charles Joseph, Graf von Flahaut.
Interessant auch, dass die Ehe von Josephine de Beauharnais und Napoleon I. kurz zuvor geschieden wurde, als Erste nach dem Code Napoléon. Da deren Ehe kinderlos blieb, musste ein Thronfolger her. Napoleon heiratete Marie Louise von Österreich und diese gebar ihm einen Sohn Napoleon II. Franz Bonaparte – Der Herzog von Reichstadt -, welcher 21-jährig (1832) an Tuberkulose in Wien verstarb. Dessen Biographie – mehr Gefangener und Faustpfand Metternichs – stimmt einen sehr traurig.  Über seine Mutter Marie Louise sagte er in einem vertraulichen Gespräch mit Prokesch 1829: „Wäre Josephine meine Mutter gewesen, mein Vater läge nicht auf Sankt Helena und ich säße nicht in Wien. Ach, sie ist gut – aber sie ist kraftlos – sie war nicht das Weib, wie es mein Vater verdiente.“ Ironischerweise war es gerade die Frau von Graf Clemens von Metternich, Eleonore, die in seinem Auftrag eben um diese Ehe mit Marie Louise und Napoleon sich bemühte und Josephine damals in Malmaison besuchte. Josephine wie auch ihre Kinder Eugene und Hortense empfahlen diese Heirat dem Kaiser mit der Erzherzogin bereits und erneut nach dem Besuch von Eleonore.

Der Bruder von Hortense, Eugène-Rose de Beauharnais bzw. dessen älteste Tochter Joséphine von Leuchtenberg (heiratete Oscar Bernadotte, König von Schweden), gilt als die Vorfahrin der heutigen Dynastien in Belgien, Dänemark, Luxemburg, Liechtenstein, Norwegen und Schweden.  Eine kleine Randnotiz: Um in der Nähe seiner Schwester Hortense zu sein, erwarb Eugène de Beauharnais den Gutsbetrieb Sandegg nahe dem Schloß Arenenberg. Er ließ dort von 1819-1821 das Schloß Eugensberg errichten. Leider bewohnte er es nur wenige Male, denn am 21.02.1824 verstarb er und vermachte das Schloß Eugensberg seiner jüngeren Tochter Eugénie de Beauharnais, welche es 1834 veräusserte.
Es gab auch das Gerücht, das der Prince Imperial Eugène Louis Bonaparte – Sohn von Napoleon III. und Eugénie de Montijo, bevor er nach Südafrika ging und im Zulukrieg (1879) getötet wurde, eine Liaison mit einer englischen Lehrerin (Kelly?) gehabt haben soll. Diese gebar ihm ein Kind, von dessen Existenz er nichts mehr erfahren konnte. Eugénie soll für dieses Kind weiter gesorgt haben. Wohlgemerkt im geheimen, da sie um dessen Leben fürchtete. Vielleicht sind auch hier noch Nachfahren des kaiserlichen Prinzen zu finden. Faszinierend: Eddie de Tassigny erwähnt eben auch diesen Namen in seinem Buch. Unter https://stoessel.wordpress.com/neue-buchveroeffentlichung-la-descendance-napoleon-iii-in-frankreich/ im Bild mit dem Inhaltsverzeichnis ist dies zu lesen.

Nimmt man die äusseliche Erscheinung von Napoleon III. und Napoleon I. in Augenschein, so sind kaum große Ähnlichkeiten zu finden. wer die Seiten „Napoleon III. und I. – ihre Leiden und deren fatale Auswirkungen“ und „Offenbarungen der Kaiserin Eugénie“ aufmerksam gelesen hat, sieht auch in den Charakteristikas viele Unterschiede. Zur Regierungszeit Napoleons III. war neben seinem Halbbruder de Morny auch Prinz Napoleon, genannt Plon-Plon, an seiner Seite. Er hatte wesentlich mehr Ähnlichkeit zu Napoleon I. – auch in seinen Charaktereigenschaften. So „verließ“ er beispielsweise die französischen Truppen im Krimkrieg, was zu einer heftigen Diskussion in Frankreich führte (Napoleon I. „verließ“ damals seine Truppen sogar dreimal). Wahrlich nicht sehr heroisch. Hier ein Bild aus Wikipedia:

Plon-Plon

Prinz Napoleon

Kaiserin Eugenie äusserte sich oft sehr negativ über ihn. Hier ein Beispiel:

„Der Prinz Napoleon!… Er hasste den Kaiser; er hat dem Kaiser niemals verziehen, dass sich in ihm der napoleonische Gedanke personifizierte und dass er das Kaiserreich wiederhergestellt hatte. Was mich anbetrifft, so verabscheute er mich, weil ich dem Kaiserlichen Prinzen das Leben geschenkt und ihm – meinem Feinde – den Weg zum Thron verlegt hatte. Das ging so weit, dass er sich eines Abends in Compiègne, bei einem Diner zu Ehren meines Geburtstages, weigerte, auf meine Gesundheit zu trinken!… Er besaß einen bemerkenswerten Verstand, dabei wurde er aber von Hochmut und Neid verzehrt. Manchmal übermannte ihn die Wut; er redete dann irre, schäumte, wurde teuflisch…“ Wie sein weiterer Lebensweg nach 1871 verlief, ist in Wikipedia zu erfahren. Interessant: Auch er lies während des Krimkrieg seine ihm anvertraute Division „angeblich“ im Stich – wie einst Napoleon I. es dreimal mit seinen Armeen in Ägypten, Russland und bei Waterloo machte.

Ähnlichkeiten Napoleons III. zu seinem Vater Louis, König von Holland, gibt es zur Genüge – äusserlich wie auch in Wesensmerkmalen und während ihrer Regentschaft. Beide – Vater wie Sohn in Holland und in Frankreich – der Vergessenheit anheim gefallen.

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Für Interessenten der unehelichen Nachkommen Napoleon I. mit Marie Walewska empfehle ich folgende Seite: www.walewski.org

Charles Napoleon ist im Besitz der DNA von Napoleon. Er arrangierte die Untersuchung  der DNA einer Locke von Napoleon I., welche aus Lebzeiten stammt, mit einer Locke von Letizia Bonaparte, der Mutter Napoleon I. Somit wird die männliche Y-DNA wie auch die weibliche mtDNA bekannt. Bisher publizierte Prof. Lucotte (Institut d’Anthropologie Moléculaire, Paris) nur – warum auch immer – die mtDNA von Letizia Bonaparte:

http://www.investigativegenetics.com/content/1/1/7

Update 02.01.2012: Die Y-DNA (L’ADN-Y) Napoléons I. Haplogruppe E1b1b1c1* wurde von Prof. Lucotte veröffentlicht am 31.12.2011 http://www.ccsenet.org/journal/index.php/jmbr/article/view/10609/9658

Ich bin jetzt gespannt auf die Sequenz Napoléons III. und ist er nun genetisch ein Bonaparte oder nicht.

Update 12.12.2013: Die Y-DNA ist nicht identisch mit der von Napoleon I. Die Haplogruppe von Napoleon III. ist I (M170) entsprechend auch der von „Bonaventur Karrer“ unserer Linie. Siehe unseren Haplotree und meine Publikation.

Persönliche Anmerkung: Eigentlich hätte die Veröffentlichung der DNA von Napoleon III. bereits 2-3 Jahre früher stattgefunden. Unsere DNA galt als die aussichtsreichste all der vielen abgegebenen DNA-Proben und IGENEA gab unsere DNA-Sequenz an Lucotte weiter. Bald daraufhin bekam ich einen Anruf von IGENEA, das Prof. Lucotte sich bei ihnen begeistert telefonisch gemeldet hat und er mitteilte, das es mit einer anderen Familie in Frankreich eine DNA-Übereinstimmung gebe und somit Bonaventur von Napoleon III. abstamme. Er wollte unbedingt unseren Namen erfahren. Da beide Familien die Abstammung von Napoleon III. behaupten, wäre die Übereinstimmung der DNA ein eindeutiges Indiz. Damals arbeitete Lucotte noch mit IGENEA zusammen und war auch namentlich auf deren Seite „Napoleon Projekt“ als Kooperationspartner genannt, dies wurde aber bald darauf von deren Seite entfernt. Beide Seiten wollten die Namen der jeweiligen Familie, aber keiner wollte dies preisgeben und so kam es zur endgültigen Auflösung dieser Zusammenarbeit und Lucotte suchte einen anderen Weg. Erst später kam es zu dem Familientreffen auf Arenenberg.

FamilientreffenTreffen der Nachfahren von Napoleon III. auf Schloss Arenenberg:
Von links aus der Besuch der Linie “Vergeot”: Ungenannt und Jean-Marc Banquet d’Orx; Ungenannt; stellvertretend aus unserer Linie “Bonaventur” W. Fretz; ganz rechts die stellvertretende Kuratorin auf Schloss Arenenberg.

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weitere Quelle: Forum Empereurperdu