Solferino – IKRK…und die Altkleider-Lüge profitorientierter Hilfsorganisationen

Anmerkung 25.06.09: 150 Jahre Internationales Komitee Rotes Kreuz – IKRK (International Commitee Red CrossICRC)

Die Schlacht bei Solferino am 24.06. 1859 gilt als die Geburtsstunde des Roten Kreuzes durch Henry Dunant (1828-1910) . Beim recherchieren im Netz taucht verschiedentlich das menschenverachtende Zitat „Man kann keinen Eierkuchen backen, ohne ein paar Eier zu zerschlagen“ auf. So Beispielsweise auf dieser Seite zur Geschichte des Roten Kreuzes (wurde jetzt endlich korrigiert). Dieses Zitat soll angeblich von Napoleon III. in einem Dialog mit Henry Dunant in Solferino stattgefunden haben, was völlig falsch ist. Wenn genauer recherchiert worden wäre, so wäre dieser Ausspruch richtigerweise Napoleon I. zugeteilt worden, und nicht Napoleon-III. Fehlerhafte und oberflächliche Recherchen treten verschiedentlich auch in Artikeln auf, wo einfach nur von Napoleon die Rede ist, obwohl der 3. gemeint ist und dadurch Mißverständnisse vorprogrammiert sind.

Charles-Louis-Napoleon III war ein Gönner von H. Dunant und selbst schockiert über das Ausmaß der Schlacht. Die meisten Quellen berichten darüber, dass es zwischen Dunant und Napoleon III. zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu einem Treffen gekommen ist. Andere Quellen wiederum berichten, das es sehr wohl zu diesem Treffen gekommen ist und das Napoleon III Henry Dunant (dessen Interesse ganz anderer Natur war) auf dieses Elend aufmerksam machte. Er bat Dunant, ob er dieses Anliegen, sich um die Verwundeten zu kümmern, nicht übernehmen könnte. Die Folge war bekanntlich Gründung des Roten Kreuzes.

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In eigener Sache: An den Pranger gestellt (05.11.2011)

Mir war dieses Verhalten der verschiedenen Hilfsorganisationen – eben auch des DRK und der Caritas – schon lange klar. Es geht um den Bericht vom 04.11.11 im NDR – Die Altkleider-Lüge. Keiner macht sich Gedanken, was eigentlich mit der gebrauchten Kleidung geschieht, welche wir respektive ihr mit „gutem Gewissen“ in die Altkleider-Container werft. Diese sogenannten Hilfsorganisationen geben eigentlich nur ihren „Namen“ her für private Firmen, welche die gebrauchten Waren weiterverkaufen. Die sogenannte „Creme-Ware“, das Beste der „gespendeten Bekleidung“, landen in Osteuropa und in der arabischen Welt, welche diese dann auch noch teuer bezahlen können. Der Rest an minderer Ware landet in den afrikanischen Ländern, welche sich nur eben diese leisten können. Ich war, obwohl ich Kenntnis davon hatte, erneut schockiert darüber. Die einheimische Textilindustrie in Tansania liegt praktisch am Boden und keine bessere Zukunft in Sicht. Das ist Fakt. Die deutsche „Ware“ ist dort am begehrtesten neben den anderen „Spenden“ aus aller Welt. Hier hängt bereits eine Großindustrie dahinter, welche damit Geschäft macht – und das nicht einmal schlecht.

Mir wird über ob dieser Zustände speiübel. Ich kenne Leute, denen geht es schlichtweg zu gut. Es werden neue, mit Etiketten versehene Waren von Designern der „Haute Couture“ in die Container geworfen. Kein Wunder, das diese begehrt sind und teuer weiterverkauft werden. Eine ältere Dame (aus der Schweiz) sagte mir bereits vor Jahren, „wenn sie die Bonzen des Roten Kreuzes in ihren dicken Autos sehe, so würde es sie nicht einsehen, diesen Hilfsorganisationen zu spenden“. Recht hat sie und sie kannte sich aus.

Ich empfehle jedem, den untenstehenden Link mit dem Beitrag des NDR sich anzusehen. Am Ende der Reportage ist der „Boss des DRK“ zu sehen mit seiner Dankesrede und…die Haare standen mir zu Berge…wie er eine Kerze des Dankes anzündete und Henry Dunant erwähnt. Dieser hatte bekanntlich anderes mit der Gründung im Sinne und starb selbst in Armut. Er würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von diesem Gehabe wüsste. Ich klage an, all diese sogenannten  „Hilfsorganisationen mit ihren Vergünstigungen“, Billigtextilherstellerkonzerne und auch uns Alle, die wir eine „Wegwerfgesellschaft“ geworden sind und die Ressourcen unseres Planeten ausbeuten. Mach weiter so, gedankenlose und undankbare Menschheit. In diesem Sinne fällt mir gerade das Zitat rechts in der Leiste von Napoleon ein – wie es sich doch Bewahrheiten sollte. Ach ja, da gibt es noch die Kleiderkammern. Hierzu fällt mir ein Gespräch ein. Ein Mann, der „guten Gewissens“ spendete, direkt an die Kleiderkammer (die sind eh meist zum Bersten voll), machte hierbei eine ganz andere Erfahrung. Die Jacke, welche er dort abgab, fand er Tage später auf dem Flohmarkt wieder. Er erkannte sie natürlich wieder aufgrund seines darin befindlichen Namens. Angeboten wurde sie von Asylanten, welche sozial von uns allen unterstützt werden, zu einem gesalzenen Preis. Dies ist kein Einzelfall wohlgemerkt, und ich konnte dessen Empörung voll verstehen. Dies am Rande noch erwähnt. Aber bilden sie sich selbst ihre Meinung und wählen sie mit Bedacht, wem sie spenden und wo es auch ankommt!! Ja, dies macht Arbeit, aber die Zeit zum Einkaufen hatten sie ja auch. Denn nicht jede Organisation handelt so…es gibt noch „weiße Schafe“, wenn auch wenige.

Die Altkleider-Lüge – eine Reportage, der Film

Folgendes Interview „Das Gefühl für den Wert der Kleidung verloren“ mit Jutta Sundermann von „Attac

Das DRK wehrt sich (versucht es zumindest)

  1. Juli 30, 2012 um 4:44 pm

    Die Frage ist, wem kann ich noch spenden?
    Den Abzockern mit Körben oder Tonnen vor der Haustür spende ich bestimmt nicht. Auch der Altkleiderspam, der im Briefkasten liegt trotz Werbeverbot bekommt nichts.

    Da sind mir soziale Einrichtungen noch am sympathischsten. Selbst, wenn die damit verdienen, dient es einem guten Zweck. Aber die rein kommerziellen kriegen von mir nichts. Zumal, mensch dies meines Wissens auch gar nicht darf.

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