Offenbarungen der Kaiserin Eugénie

Vorab ein interessanter Beitrag über Eugenie. Sprache: Französisch, Dauer 9:24 Minuten. Mein Dank an Jean-Marc Banquet d’Orx für den Hinweis.

Insgesamt gibt es deren 11 Beiträge über Eugénie auf Youtube. Der obige ist Teil 9 dieser Serie.

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Der Inhalt der Emser Depesche ist hinreichend bekannt. Weniger bekannt sind nachfolgende Schilderungen, die Kaiserin Eugenie Jahre später in einem Interview mit Maurice Paléologue (damals Mitglied der französischen Akademie und Botschafter der französischen Republik) offenbarte. Die Gespräche fanden in mehreren Treffen über einen längeren Zeitraum vom 8. Juni 1901 bis 5. Dezember 1919 statt. Es war der ausdrückliche Wunsch der Kaiserin Eugénie (*5. Mai 1826 in Grenada, † 11. Juli 1920 in Madrid) dies nach ihrem Tode zu veröffentlichen.

Hat man eigentlich erörtert, das eine Wiedereröffnung der Auseinandersetzung mit Preußen den Krieg fast unvermeidlich nach zieht?
Nein…Wir haben nur über die Notwendigkeit beraten, den beleidigenden Quertreibereien Bismarcks ein Ende zu setzen. Wir wünschten nicht den Krieg; wir suchten weder eine Gelegenheit noch einen Vorwand hierzu; aber wir fürchteten ihn auch nicht; denn, ich wiederhole es, unsere Armee erschien uns unbesiegbar und wir rechneten mit starken Bündnissen…Oh, drei Tage später, nachdem uns Bismarck mit der Emser Depesche ins Gesicht geschlagen hatte, als er Europa glauben machen wollte, daß König Wilhelm unseren Botschafter geringschätzig abgewiesen habe, konnte von der Erhaltung des Friedens keine Rede mehr sein. Wir standen unter dem Druck einer direkten, brutalen, tödlichen Beleidigung. Wir mußten den Handschuh aufnehmen! Wir hatten nur mehr die Wahl zwischen Krieg und Schande!
Aber warum hat man sich zu diesem Spiel hergegeben? Die Falle war zu sehen und weshalb wurde der Botschafter nicht über den Hergang befragt? Die Antwort Benedettis hätte den Betrug Bismarcks aufgedeckt und damit die wahren Absichten Preußens. So hätte man den Krieg vermieden; oder mindestens vertagt und uns Zeit gewährt, militärisch zu stärken und Bündnispartner zu verschaffen.
Nein, nein!…Der Krieg konnte nicht mehr vermieden werden…Sie können sich den patriotischen Aufschwung nicht vorstellen, der damals durch ganz Frankreich ging. Selbst Paris, das dem Kaisertum bis dahin feindlich gewesen war, war in seiner Begeisterung, seinem Vertrauen und seiner Entschlossenheit bewunderungswürdig; auf den Boulevards wurden die rasenden Mengen nicht müde, „Nach Berlin!…Nach Berlin!“ zu rufen. Nein, ich versichere Ihnen: keine menschliche Macht konnte mehr den Krieg aufhalten…Die französische Armee wurde bis dahin von allen Franzosen und selbst von den Gegnern des Kaiserreiches als die erste Armee der Welt angesehen. Das wir Sieger sein müssten, war niemandem zweifelhaft.
Es gab aber doch jemanden, Madame, jemanden sehr Hochgestellten, der diesen Optimismus nicht teilte.
Wer war das?
Der Kaiser…Er kannte besser die Mangelhaftigkeit unserer militärischen Vorbereitung. Die nachdrückliche Unterstützung, die er dem Reformprogramme des Marschalls Niel lieh, die Generalstabskonferenzen, die er ganz im Geheimen im Herbste 1869 zu Compiègne abhielt, endlich die peinlich genaue Beachtung, die er den berühmten Berichten des Obersten Stoffel über die Ausbildung der preußischen Armee schenkte, diese ganze beharrliche Arbeit seines Geistes zeigt, dass er mit vollkommenem Klarblick die erdrückende Überlegenheit der deutschen Streitkräfte erkannte…Ich verstehe übrigens nicht, wie er bei einer so klaren Erkenntnis der nahen Gefahr dem Ministerium Emile Ollivier gestatten konnte, der Gesetzgebenden Körperschaft als Morgengabe eine Herabsetzung des jährlichen Kontingents um zehntausend Mann anzubieten?
Das sind eben die Vorzüge des parlamentarischen Regimes! Das Interesse gewählt zu werden, vor allem – auch vor dem nationalen Interesse!… Und dann vergessen sie nicht, dass der Kaiser kurz zuvor auf das persönliche Regime verzichtet und die politische Autorität der Kammern wiederhergestellt hat: er hatte also nicht mehr das Recht, seinen Ministern entgegenzuarbeiten. Und wenn er das Recht gehabt hätte, so hätte er doch nicht mehr die Kraft dazu gehabt. Als die Gesetzgebende Körperschaft den unverzeihlichen Fehler beging, unser Kontingent (gerade drei Monate vor dem Krieg!) herabzusetzen, hatte es mein Gemahl mit einer Nierenkrise zu tun, der längsten und schrecklichsten, von der er bisher befallen worden war; er war wie vernichtet.

Eine Frage bleibt noch…der Gesundheitszustand Napoleon III, welcher ihn moralisch und körperlich nicht befähigte, den Krieg zu führen.
Ich werde sie in den Stand setzen, eine der beleidigendsten, gegen mich vorgebrachten Verleumdungen zurückzuweisen: Sie werden nicht erstaunt sein, zu hören, daß ihr Ursprung in der Umgebung des Prinzen Napoleon zu suchen ist, wo sie einige Geschichtsschreiber schamloserweise aufgelesen haben… Ich werde folgender Sache beschuldigt: Am 2. Juli 1870 sei der Professor Germain Sée zu einem Konsilium nach Saint-Cloud gerufen worden. Sein Bericht, der mir alleine zur Kenntnis gelangt sei, habe mir entschleiert, daß der Kaiser an Stein leide, was bis dahin aller Welt unbekannt gewesen sei; ich hätte bei dieser Gelegenheit auch erfahren, daß er in Hinkunft nicht mehr zu Pferde steigen oder sich auch nur den geringsten körperlichen Anstrengungen aussetzen könne. Ich hätte diesen Bericht sogleich versteckt, ohne ihn jemanden anderen gezeigt zu haben. Einige Tage später sei der Krieg ausgebrochen.
Nun die Wahrheit. Ja, ich wußte den Kaiser krank. Aber mir war die wahre Natur seiner Krankheit völlig unbekannt. Die Ärzte selbst kannten sie nicht; oder sie gelangten zu keiner Einigung über die Diagnose. Was die Berufung des Professors Germain Sée anbetrifft, so hatte er sein Gutachten in einem versiegelten Umschlag dem Ersten Leibarzt des Kaiser, unserem alten Freund, dem Dr. Conneau, übergeben, der nicht glaubte, es mir zeigen zu sollen. Tatsächlich ist der Umschlag erst nach dem Tode meines Gemahls 1873 geöffnet worden…In diesem Gutachten sind alle Symptome, die ich schon seit langem kannte, – Blasenkrämpfe, Nierenschmerzen, häufiges Blutharnen – sorgfältig aufgezählt; als ihr Ursprung wird ein Blasenstein angegeben. Aber die anderen Konsiliarärzte – Nélaton, Ricord, Fauvel, Corvisart und Conneau – haben dieser Meinung nicht vollkommen zugestimmt; sie haben sich nur über einen Punkt geeinigt: daß man sich eines jeden örtlichen Eingriffs enthalten solle. Conneau, der meinen Gemahl verehrte und mir herzlich ergeben war, hat zu mir nur von Rheumatismus und Harnblasenentzündung gesprochen. Als der Kaiser den Oberbefehl übernahm, hat er – Conneau – mir gegenüber keine besondere Unruhe verraten. Da ich aber verzweifelt war, habe ich Sorge getragen, daß in seinem Gepäck alle Heil- und Beruhigungsmittel, alle Apparate und Behelfe kamen, über die die Medizin jener Zeit verfügte. Er bedurfte ihrer unglücklicherweise nur allzusehr; denn von dem Augenblicke seiner Ankunft in Metz an wurde er von schauderhaftem Reißen befallen, das ihm keinen Augenblick Ruhe ließ. Bald traten seelische Qualen hinzu.
Anmerkung von Paléologue: Einige Tage nach der Kriegserklärung, also gegen den 20. Juli, besuchte Prinzessin Mathilde den Kaiser in Saint-Cloud und beschrieb folgendes. Er empfing sie mit erdfahlem Antlitz, geschwollenen Lidern, erloschenem Blicke, zitternden Backen, schwankenden Beinen, gebeugten Oberkörper. Sie fragte, ist es wahr, daß du den Oberbefehl über die Armee übernimmst? -Ja – Aber du bist nicht imstande, ihn zu übernehmen! Du kannst nicht mehr zu Pferde steigen! Du kannst nicht einmal die Erschütterungen eines Wagens vertragen! Was wirst du am Tage einer Schlacht machen?…Er antwortete mit sanfter Stimme: Du übertreibst, meine liebe Freundin…Du übertreibst. Aber nein, ich übertreibe nicht…Sieh dich doch im Spiegel an! entgegnete sie. Oh es ist wahr…ich bin nicht schön, bin nicht munter, entgegnete er und machte mit der Hand ein Zeichen resignierten Fatalismus.

Es wurde behauptet, sie hätten den Krieg gewollt und ihn zu ihrem Krieg gemacht. Dies ist eine Lüge. …Thiers ist es, dem die Vaterschaft an der abscheulichen Legende zukommt; er hat sich erlaubt, zu behaupten, daß ich am 23. Juli 1870 dem von mir empfangenen Sekretär unserer Botschaft in Berlin, Lesourd, der Bismarck soeben unsere Kriegserklärung überreicht hatte, gesagt hätte: Diesen Krieg habe ich gewollt; es ist mein Krieg!…Nun, niemals, Sie hören, niemals ist ein so gottloses Wort über meine Lippen gekommen! Ich habe übrigens Lesourd befragen lassen: er hat in einem Briefe, dessen Urschrift ich besitze, anständigerweise anerkannt, daß ich mich vor ihm niemals gerühmt habe, den Krieg entfesselt zu haben. Ich bitte Sie, meinen Protest nicht zu vergessen und ihn zu verbreiten, wenn ich einmal diese traurige Welt verlassen habe.

Eugénie erzählte noch eine interessante und geschichtlich äusserst wertvolle Einzelheit: das ist der Brief, den ihr König Wilhelm am 26. Oktober 1870 geschrieben hat, um ihr die drakonischen Forderungen (Elsaß-Lothringen) seines Kanzlers zu bestätigen. In diesem Schreiben erklärt der preußische Monarch namens ganz Deutschlands: Ich liebe mein Land, wie sie das Ihre lieben, ich verstehe daher die Bitterkeit, die das Herz Eurer Majestät erfüllen muß…Aber nachdem Deutschland im Interesse seiner Verteidigung ungeheure Opfer gebracht hat, will es sicher gehen, daß es im nächsten Kriege besser gerüstet sei, den Angriff zurückzuweisen, auf den wir zählen können, sobald Frankreich seine Kräfte wiedergewonnen oder Verbündete gefunden haben wird. Diese traurige Überlegung allein und nicht der Wunsch, mein Vaterland zu vergrößern, zwingt mich, auf Gebietsabtretungen zu bestehen, die keinen anderen Zweck haben als den, den Aufmarschraum der französischen Armeen in Zukunft weiter zurückzuverlegen...So rechtfertigt König Wilhelm die Annexion französischer Provinzen nicht damit, daß er sie als deutsche Erde beansprucht, die zum deutschen Erbgut zurückzukehren habe. Einzig die strategischen Interessen und militärischen Zweckmäßigkeiten sind der behauptete Grund: die Losreißung Elsaß-Lothringens erscheint in ihrer ganzen brutalen Nacktheit als ein Raub. Die Kaiserin hat zugestimmt, diese wertvolle Handschrift dem nationalen Archiv zuzuführen und endet mit den Worten: Sie sehen, auf welche schöne Rechtstitel die deutsche Einheit gegründet ist: zuerst eine ungeheuerliche Fälschung – die Emser Depesche -, dann das zynische Eingeständnis einer Lüge – der Brief Wilhelms!

Der angesprochene Brief ist hier in Wikipedia zu lesen (französisch) unter Punkt 1.3.7.1

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Am 12. Juni 1912 erzählte Eugenie in einem weiteren Gespräch eine seltsame Unterhaltung die sie fünf Jahre früher mit Kaiser Wilhelm II. hatte:

„Es war am 27. Juni 1907, an der norwegischen Küste, im Fjord von Bergen, wo ich mit meiner Yacht, Thistle, Station machte. Bei meiner Ankunft war der Fjord voll von deutschen Kreuzern, die den Kaiser erwarteten. Sie können sich wohl vorstellen, daß das keine angenehme Überraschung für mich war. Ich dachte zuerst daran, sofort wieder die offene See zu gewinnen. Aber ich sagte mir, daß das aussehen würde, als ob ich fliehen wollte…was nicht nach meinem Geschmack ist. Dazu musste sich meine Yacht auch unbedingt proviantieren. So blieb ich denn auf der Reede. Einige Stunden später, gegen Mitternacht, werde ich durch eine fürchterliche Kanonade jäh erweckt: die Hohenzollern steuerte in den Golf. Sie wissen, daß man den Geschütz-Salut im allgemeinen nach Sonnenuntergang nicht leistet; aber Wilhelm II. wollte offenbar mit diesen Donnerschlägen auf meine Einbildungskraft wirken. Nun, sie war davon nur zu peinlich getroffen, meine Einbildungskraft! Ich konnte um so weniger wieder einschlafen, als die Hohenzollern nach Ankerwerfen ein Boot abstoßen ließ, das mir für den nächsten Vormittag, 11 Uhr, den Besuch des Kaisers ankündigte…Dieser Besuch, der über Mittag hinaus dauerte, hat mir eine häßliche Erinnerung hinterlassen. Der Kaiser sprach mit mir lange über Frankreich: `Ich versichere Ihnen,´ sagte er mir, ´das ich Frankreich gegenüber von den besten Absichten beseelt bin; ich wollte mich mit ihm verständigen, sogar verbünden, mit ihm große Politik machen. Unmöglich! Die Franzosen verstehen mich nicht: mehrere Male ließ ich sie wissen, dass ich gerne nach Paris käme. Nun gut! Sie wollen mich nicht sehen!…´Ich habe mich nicht enthalten können, ihm zu sagen, dass man, um die Sympathie der Franzosen zu gewinnen, anders verfahren müsste, und dass Tanger sicher nicht auf dem Wege läge, der nach Paris führte.“

„Was ihn vier Jahre später nicht hinderte, seinen geographischen Irrtum zu verdoppeln, ja, noch schwerwiegender zu machen, indem er die beleidigende Demonstration von Agadir vom Stapel ließ!“

„Was wollen Sie? Er ist unverbesserlich, er hört auf niemanden; er berauscht sich an seinen eigenen Worten…Aber der Vortrag, den er mir über Frankreich gehalten hat, ist es nicht, was mich an unserer Unterhaltung am meisten beunruhigt hat; es ist vielmehr das, was er mir in Bezug auf England gesagt hat…O! wie er England haßt! Während mehr als zwanzig Minuten hat er auf es losgezogen, besonders auf König Eduard, den er aller Verbrechen beschuldigte… Als er mich verließ, bemerkte er auf einem der Tische ein Porträt der Königin Viktoria – die Photographie, die sie hier sehen und von der ich mich niemals trenne. Da blieb er stehen, mit in die Hüfte gestemmter Faust, gekrümmtem Körper und blitzendem Auge. Und in dieser theatralischen Pose rief er aus: ´Als sie gestorben war, gaben sie mir von ihr nichts, nicht das kleinste Andenken; sie haben mich aus der Familie ausgeschlossen, wie einen Verworfenen, einen Pestkranken! ´“

Ja…und da war noch die Sache mit Sadowa (bei Königgrätz). Die Unternehmung in Mexiko hatte die Arsenale geleert und auch die militärische Organisation in Unordnung gebracht. Vielleicht hätte Napoleon III. im Jahre 1866 auf den Vorschlag Drouyn de Lhuys eingehen sollen, den Rhein zu überqueren in Richtung Berlin. Er zögerte jedoch zu lange und die Chance wurde vertan, was ihm daraufhin den Spott in Frankreich brachte. Um 1874 hat Bismarck, der die Offenheit oft bis zur Schamlosigkeit und Unverschämtheit trieb, vor dem Reichstag anerkannt, das die geringste militärische Demonstration Frankreichs nach dem Tage von Sadowa die preußischen Armeen gezwungen hätte, den Kampf mit Österreich abzubrechen und sich in aller Eile nach Norden zurückzuziehen, um Berlin zu decken. Einst sagte Bismarck zu Botschafter Baron de Courcel auf seinem Sommersitz Varzin: „Ich begreife noch immer nicht, warum die französische Armee im Juli 1866, als wir in den böhmischen Engpässen steckten, nicht den Rhein überschritten hat. Und wenn ich von der französischen Armee spreche, so irre ich mich: eine einzige Division, fünfzehntausend Mann hätten genügt! Das bloße Erscheinen Ihrer Rothosen im Großherzogtum Baden und in der Pfalz hätten ganz Süddeutschland gegen Preußen auf die Beine gebracht. Zu jener Zeit wären die prächtigen Truppen des Erzherzogs Albrecht, die nach Custozza von den Italienern nichts mehr zu fürchten hatten, zur Verstärkung der Armee Benedeks herbeigekommen. Dann waren wir verloren. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir Berlin hätten decken können.“

Eugenie flehte Napoleon III. im Exil zu Chislehurst oftmals an, sich gegenüber den unverschämten Angriffen und Verwünschungen zu verteidigen um endlich dem Strom von Beleidigungen Einhalt zu gebieten. Er erwiderte daraufhin: “ Nein, ich werde mich nicht verteidigen… Gewisse Katastrophen sind für eine Nation so schmerzlich, daß sie das Recht hat, die ganze Schuld – auch ungerechterweise – ihrem Oberhaupt zuzuschieben… Ein Monarch, besonders ein Kaiser, würde sich selbst herabsetzen, wenn er sich selbst zu rechtfertigen trachtete, denn er verträte seine Sache  gegen sein Volk… Für einen Herrscher gibt es keine Entschuldigung, keine mildernden Umstände. Sein höchstes Vorrecht ist es, alle Verantwortlichkeiten zu tragen, die diejenigen auf sich nahmen, die ihm gedient oder – ihn verraten haben…“

Napoleon III. wollte den Krieg 1870 nicht und wurde rgelrecht dazu getrieben. Im Ausland ein drohendes Preußen, ein undankbares Italien, die anderen Mächte schmollend und grollend. Im Innern die Unruhe, die Abneigung, eine unverschämte, übelwollende Presse, fortwährende Ausstände, lärmende Kundgebungen, das Regime von allen Seiten unterwühlt. Selbst diejenigen, die an der Erhaltung der Dynastie das lebhafteste Interesse gehabt hätten, ergötzten sich allwöchentlich daran, die „Lanterne“ Rocheforts zu lesen; eine Woge der Verrücktheit ging durch Frankreich. Selbst in einer römischen Zeitung, welche unter der Zensur des Vatikans stand, kündigte zu Lebzeiten das bevorstehende Begräbnis von Napoleon III. und Eugenie an.

Napoleon III. vertraute einst einem seiner Minister an: „Ich werde Krieg nur mit den Händen voll Bündnissen führen“. Als er am 16. Juli Preußen den Krieg erklärte, hatte er nicht eine einzige Allianz in seinen Händen – wegen der römischen Frage.  2 Jahre lang vor Ausbruch des Krieges versuchte Napoleon III. ein Bündnis mit Österreich und Italien zustande zu bringen. Man konnte sich jedoch nicht über die Frage der weltlichen Herrschaft des Papstes einigen. Italien wollte das Frankreich sein Recht, die Kirchenstaaten zu besetzen, anerkennt. Napoleon III. hätte sich jedoch als entehrt angesehen, wenn er so die Beraubung des Papstes und der Kirche ratifiziert hätte. Aber Österreich wird nicht marschieren, wenn Italien sich weigert zu marschieren. Selbst Seine Apostolische Majestät der Kaiser Franz Joseph, König von Jerusalem etc, riet Napoleon III. und drängte sogar, dem Kirchenraub zuzustimmen. Aber es ging nicht um die Ehre Österreichs, sondern Frankreichs. So war auch Gramonts Antwort an die italienische Regierung (Viktor Emanuel): „Frankreich schickt sich an, seine Ehre am Rhein zu verteidigen, aber nicht um sie am Tiber zu verlieren!“ Selbst in den geheimen Verhandlungen 1869, beging Napoleon III. den Fehler, den Abschluss eines Bündnisvertrages, den er für die Sicherheit Frankreichs notwendig hielt, der Aufrechterhaltung der weltlichen Herrschaft des Papstes unterzuordnen. Am 1. August 1870 fand sich Graf Vimercati (Vertrauter von Viktor Emanuel) in Metz ein und unterbreitete Napoleon III. den endgültigen Text eines Bündnisvertrages mit Österreich und Italien. An diesem Texte fehlte nur mehr die Unterschrift Napoleon III.; er verweigerte sie, weil wiederrum eine Bestimmung des Vertrages Italien das Recht einräumte, die römische Frage nach eigenem Ermessen zu lösen. Genutzt hätte es wenig, den eine Mobilmachung in Österreich und Italien hätte 50 Tage in Anspruch genommen. Die französischen Truppen zum Schutz des Vatikans wären auch nicht rechtzeitig zur Stelle gewesen…und auch Preußen hatte im Geheimen einen Bündnispartner: Russland, wäre dann gegen Österreich marschiert.

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Quellennachweis: „Vertrauliche Gespräche mit der Kaiserin Eugenie“, Maurice Paléologue, Paul Aretz Verlag Dresden 1928.

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